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Zum Tag der Grammatik: Wie war die Sprache früher?

Ehrlich gesagt, ich wusste selber nicht, dass es das gibt, aber heute, am 4. März, können wir den Tag der Grammatik feiern. Denn erst die Sprache und wie sie geregelt ist, ermöglicht eine klare Verständigung. Und davon profitieren nicht zuletzt die Buchautoren.
Leichte Kost, in diesem Sinne, ist ein Lied von Bastian Sick. Als Autor dürfte er Euch durch seine Zwiebelfisch-Kolumne bekannt sein, mit den zugehörigen Büchern über Dativ, Genitiv und vieles mehr. Aber auch der Song des Sprach-Entertainers drückt eine Menge aus: »Wie gut ist Dein Deutsch?«. Und Axel Hacke, genauso unterhaltsam, liefert uns sein Buch »Wortstoffhof«.
Sprache und Grammatik werden überall Thema. Dazu passend, habe ich in meinem Podcast Interviews mit Klaus Mackowiak und, etwas älter, Vertretern

  • vom Rat für deutsche Rechtschreibung
  • sowie

  • dem Institut für Deutsche Sprache

. Denn ich finde, als Schreibanfänger kann man zu solchen Dingen nie genug erfahren. Außerdem fasziniert mich das persönlich. So habe ich 2019 einen kurzen Workshop gegeben, »Sprache, Bücher und Wörter«, den Du auf meinen Webseiten nachhören kannst.
Aber so viel nur nebenbei. Deutlich stärker, als in eigener Sache diesen Werbeblock zu starten, wirkt sich aus, inwiefern Grammatik und Kommunikation Deinen historischen Roman beeinflussen; oder ihn sogar verändern mögen. Denn fest steht, dass jede Sprache einem permanenten Wandel unterliegt. Texte, die vor mehreren hundert Jahren geschrieben wurden, können wir heute nur noch äußerst mühevoll verstehen. Das heißt, wenn überhaupt … Und spätestens an dieser Stelle wird es interessant für alle Autoren, die historische Romane oder Kurzgeschichten planen.
Wie verlief damals die Kommunikation? Wann und wo haben die Leute wie gesprochen oder sich schriftlich mitgeteilt?
Das ist das Eine, während auf der anderen Seite die Frage lauert, wie viel davon Du wiedergeben willst. Also, welchen Schreib- und Sprachstil sollte Dein Roman vermitteln?
Ganz unverfälscht, so wie früher? Das dürfte Dich zu einer unlösbaren Aufgabe bringen. Außerdem, wie gesagt, könnte kaum noch jemand solche Texte lesen und begreifen.
Aber ich finde auch, dass die Tonalität ein Stück weit Atmosphäre schafft. Hier und da veraltet klingende Wörter einzustreuen, erscheint mir deshalb nicht verkehrt. Wobei ich mich, in letzter Konsequenz, noch nicht entschieden habe, wie sehr ich das vertiefen will. Aber okay, ich beginne ja auch erst mit meiner neuen Buchreise.

Warum das Genre so wichtig ist

Zu wissen, wohin mich die Geschichte führt, ist der erste Schritt und überaus bedeutsam. Natürlich reicht das aber lange noch nicht aus, um die Figur zu kennen und den Plot – also das Handlungsgerüst – zu verstehen. Hierfür sollte ich mir außerdem Gedanken machen, in welchem Genre sich Miriam bewegt.

Schön und gut, ein historischer Roman. Was ist das eigentlich genau? Welche Richtung wird mir vorgegeben?
Für mich fühlt sich das an wie ein leerer Raum. Historisch, das heißt, nicht in der Gegenwart. Und Roman, das verrät mir … Na ja, irgendwie alles und nichts. Für sich genommen sagt »historischer Roman« absolut wenig über den Inhalt aus.
Also graben wir ein bisschen tiefer. Denn je nachdem, in welchem Genre ich schreibe, muss die Geschichte so oder ganz anders verlaufen. Und es ist wichtig, festgelegt zu sein, weil nur dann Verlage, Buchhändler und Leser – ja, vor allem die Leser – mich als Autorin einordnen können. Nur dann werden sie mein Buch wirklich finden, wenn sie auf der Suche sind.
Und mehr noch: Mit dem Genre gebe ich ein Versprechen, sodass ihnen bewusst ist, worauf sie sich einlassen.
Nehmen wir an, dass ich behaupten würde, ich schreibe einen Fantasyroman. Tatsächlich entpuppt sich das Buch aber als Krimi. Wie viele Leser habe ich dann enttäuscht? Und welcher Bruchteil kehrt zurück, um noch ein zweites Buch von mir zu kaufen?
In letzter Konsequenz ist das, was zwischen Dir als Autor und Deinen Lesern steht, eine Art Vertrag. Du bietest ihm eine Geschichte an. Er zeigt sich bereit zu investieren, sowohl Zeit als auch Geld. Logischerweise ist das für ihn mit einer bestimmten Erwartung verbunden, die Du auf jeden Fall ernst nehmen solltest. Wenn andere wortbrüchig werden, gefällt Dir das doch auch nicht.

So viel vorweg. Doch was ist es nun, das Genre? Ein Verkaufsargument? Ein Etikett, das Du auf Dein Buch klebst, um gesehen zu werden?
Zunächst einmal kommt das Wort »Genre« aus dem Französischen. Ins Deutsche gebracht, bedeutet das so viel wie Sorte, Art, aber auch Kunst. Fälschlicherweise, zumindest für die Literatur, wird es außerdem mit »Gattung« übersetzt. Dabei gibt es einen Unterschied zwischen Genre und Gattung. Exemplarisch erklärt mir Wortwuchs, ein Literaturlexikon im Internet:

»Als Genre wird eine Ausprägung oder auch eine Klassifikation in Literatur, Film, Musik sowie Kunst bezeichnet. Beispielsweise lassen sich innerhalb der Literatur sämtliche Texte einer der drei Gattungen zuordnen (Lyrik, Drama, Epik). Um nun die einzelnen Werke innerhalb dieser Gattungen noch genauer zu klassifizieren und voneinander abgrenzen zu können, werden sie auf Grund einzelner Merkmale und ihres künstlerischen Inhalts in Genres eingeteilt. Demnach wäre beispielsweise das Sonett ein Genre der Lyrik und der Roman ein Genre der Epik, wobei der Abenteuerroman wiederum ein untergeordnetes Genre des Romans darstellen würde. Solche Unterarten werden als Subgenre bezeichnet.«

Okay, jetzt ist die Wissenschaftlerin mit mir durchgegangen. Und Ihr seid womöglich hoffnungslos verwirrt – was nicht weiter schlimm wäre, denn das ist wirklich nicht so einfach.
Versuchen wir es anders. Man sagt, ein Genre ist wie eine Schublade, unter Umständen sogar wie die gefürchtete Schublade; je nachdem, wie es Euch damit geht. Und Marcus Johanus von den Schreibdilettanten hat dazu ein passendes Bild geprägt. In Podcast-Folge 350, »Das passende Genre für Autoren?«, führt er aus:

»Stellt Euch vor, Ihr hättet zu Hause keine Schubladen. Euer Besteck würde wild im Wohnzimmer herumliegen, vielleicht würdet ihr es finden, aber andere würden vielleicht auf Eure Gabeln treten. Und das wäre irgendwie doof und schmerzhaft.«

Um so etwas zu verhindern, empfehle ich dringend, dass Du Dich näher mit den Genres befasst. Und ich helfe Dir auch gerne weiter. Besser gesagt, ich schaue mich selbst nach klugen Köpfen um. Wer kann mir mehr dazu verraten?

Das Ende zuerst

Neulich, in meiner Hörprobe, seid Ihr Miriam schon einmal begegnet. Sie ist die Hauptfigur des Romans, deshalb wollen wir sie heute besser kennen lernen. Stellt Euch also vor:

  • Miriam als kleines, umtriebiges Mädchen
  • Miriam, die im Alter von acht Jahren ihre Mutter und kurz darauf den neugeborenen Bruder verliert
  • Miriam, die als Hexe beschuldigt und eingekerkert wird
  • Wie durch ein Wunder kommt sie wieder frei
  • Aber in der Stadt, Bamberg, drehen ihr viele noch den Rücken zu
  • Außerdem gibt es Probleme, was die Männerwelt betrifft
  • Deswegen …

Das ist der Anfang der Heldenreise, die Miriams Geschichte von vorne bis hinten erzählt. Dagegen hätte der Plot einen anderen Verlauf – so, wie sich die Szenen im Buch aneinanderreihen sollen.

Klar, ich lege hier nur eine grobe Skizze vor, denn ich möchte nicht zu viel verraten. Natürlich habe ich die einzelnen Szenen stärker ausgearbeitet.
Trotzdem fehlt da noch etwas für mich, ich bekomme, wie man so schön sagt, den Dreh nicht raus. Deshalb spreche ich mit meiner Schreibpartnerin über den ersten Teil von Miriams Heldenreise. Und Silke, die Schreibgefährtin, bestätigt mein Gefühl, dass es Probleme gibt. Denn sie sagt:

Um den Bogen zu spüren, brauche ich Höhepunkt und Ende.
Um die Entwicklung von Miriam zu erkennen, brauche ich ihre inneren und äußeren Ziele und Wünsche.
Und als Letztes den roten Faden, also die Fragen, die Du am Anfang aufwirfst und die am Schluss beantwortet werden.

Da stimme ich ihr zu: Das sind die zentralen Elemente, die ich im Hinterkopf behalten muss. Allerdings hatte ich Silke gegenüber vorher nicht erwähnt, dass es sich hier um den Beginn der Heldenreise handelt, nicht um die ersten Szenen im Plot.
Jetzt sprechen wir auch noch andere Punkte durch. So merkt Silke an:

Auch das Subgenre wird mir nicht klar. Ist der Liebesplot wichtig? Geht es Dir um das Frauenbild der damaligen Zeit? Rückt die Entwicklung der Protagonistin in den Vordergrund? Denn je nachdem, müssten andere, weitere Kriterien auftauchen.

Alles steht und fällt durch das gewählte Genre. Davon erzähle ich Euch in den nächsten Blogbeiträgen mehr, denn zuerst möchte ich weitergeben, was grundsätzlich hilft:

Versuch doch einmal, die Geschichte vom Ende her zu denken. Wie geht es Miriam auf den letzten Seiten im Buch? Was hat sie erkannt? Oder erreicht? Was hat sich verändert und warum?

Meiner Meinung nach liegt hier der Schlüssel zum Erfolg. Denn bei allen übrigen Romanen, die ich bislang geschrieben habe, war mir das Ziel der Handlung immer bewusst. Von dort aus konnte sich meine Geschichte dann im Detail entfalten.
Diesmal schaffe ich es aber nicht, so weit zu Miriam und den Erlebnissen, zu ihrer persönlichen Wandlung vorzudringen. Da steht eine Mauer im Weg und ich kann nicht hinüberschauen auf die andere Seite. Aber, um im Bild zu bleiben: Ich werde einen Umweg nehmen, mich der Antwort aus einer anderen Richtung nähern. Ich frage, wie schon angedeutet, nach dem Genre.

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