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Den richtigen Schreibort finden

Welcher Autor kennt sie nicht, die Vorstellung vom Paradies? Einmal dem stressigen Alltag entfliehen. Herausforderungen, die Beruf, Haushalt und Familie stellen, einfach für mehrere Tage zurücklassen. Und dann die Seiten füllen, bis der Computer bebt.
So oder ähnlich malen sich das alle aus. Na ja, zumindest viele. Ich gehöre jedenfalls dazu und unterliege dem Glaubenssatz, dass ich besser schreiben könnte, wenn ich …
Mittlerweile habe ich noch etwas anderes erkannt. Nämlich dass es darauf ankommt, solche Annahmen zu überprüfen. Dadurch finden wir heraus, was wirklich hilft.

Kann ich im Urlaub besser schreiben? Freigekauft von sämtlichen Verpflichtungen? Hier muss ich mir nicht einmal das Frühstück besorgen, sondern darf mich frei an den gedeckten Tisch setzen. Dann genieße ich die veränderte Atmosphäre, die neue Umgebung. Und dann beginne ich zu schreiben.
Am Edersee, wo ich mich immer wieder mit meinem Lebensgefährten entspanne, habe ich das versucht. Dort nehmen wir uns öfter mal ein Zimmer im Haus Talblick, bei Familie Makowski. Wir fühlen uns beide sehr wohl und sind regelmäßig hingefahren. Als dann Corona kam, habe ich mir überlegt, einen Edersee-Krimi zu schreiben und einen Teil des Honorars an diese Pension zu spenden. Nur, der Krimi liegt jetzt halb fertig in der Schublade. Also, auf der Festplatte natürlich. Wie so vieles mehr …
Ich könnte also dringend einen passenden Schreibort gebrauchen. Damals fuhr mein Freund wieder nach Hause, während ich noch länger blieb, um mich dem Buchprojekt zu widmen. Und was passierte?
Zugegeben, nicht viel. Eine oder zwei Stunden am Tag hielt ich mich mit dem Roman beschäftigt. Nicht so sehr, wie ich mir vorgenommen hatte. Und nur aus einem Pflichtgefühl heraus. Vorrangig habe ich aber, wie man so schön sagt, die Seele baumeln lassen, bin umhergestreift und habe meinen Akku wieder aufgeladen.
Gut, muss auch sein. Dafür macht man schließlich Urlaub. Doch das mit dem Schreiben war noch nicht geklärt.

Beim nächsten Anlauf dachte ich mir: »Warum eigentlich wegfahren? Such dir einen Platz in deiner Nähe, wo du und die nötige Ruhe findest.«
Der war leicht gefunden, das Café Hafen 2 in Offenbach am Main. Nur dass der Weg dort hin recht lange dauert.
Trotzdem wollte ich es ausprobieren. Und ja, ich saß dann da in dem Bemühen, etwas Brauchbares fertig zu bringen. Stundenlang brütete ich vor meiner Laptop-Tastatur. Doch irgendetwas blockierte, die Wörter und Ideen flossen nicht so wie gewünscht aus mir heraus. Ich fühlte mich zunehmend frustriert. Nach einiger Zeit gab ich auf und packte ergeben meine Sachen zusammen.

Also was lernen wir daraus? – Dass es ein Traum bleibt, dieses Märchen von einem anderen Ort, an dem ich besser schreiben könnte? Ein Mysterium?

Was ich von anderen Buchschreibern lerne

Keine Frage: Umberto Ecos Der Name der Rose gilt als großer Klassiker der Weltliteratur. Und ich war schon immer davon fasziniert. So habe ich die Geschichte, zum ersten Mal, mit meinen Eltern im Theater gesehen. Jetzt wird sie erneut bei der Luisenburg aufgeführt – in Form eines Musicals!

Die Darstellung bringt alles, was Autorenherzen höher schlagen lässt, beginnend mit einem spannenden Kriminalroman. Dessen Nebenhandlung dreht sich um Kätzerei, Inquisition und Hexenverbrennung. Also ein Thema, das mich direkt zu meiner Hauptfigur Miriam und ihrem persönlichen Schicksal führt.
Auch soll sie einige Zeit im Kloster verbringen. Und »Der Name der Rose enthüllt«, wie das Leben und der Alltag hinter solch heiligen Mauern damals verlaufen ist. Okay, 1327, nicht kurz vor dem 30jährigen Krieg. Zu dieser Zeit, im 17. Jahrhundert, beginnt mein Roman. Doch längst nicht alles ist dazwischen anders geworden.
Als Sachbuch habe ich 24 Stunden im Leben eines Mönches durchgearbeitet. Das finde ich aufschlussreich, zumal Benedikt von Nursia, der den Benediktinerorden begründete, bereits im 6. Jahrhundert lebte. Seine Auffassungen, Lehren und Regeln sind natürlich bis heute dieselben geblieben.
Trotzdem müssen wir aufpassen, wer wann welche Schriften oder Bücher verfasste. Was früher Gültigkeit besaß oder zur gängigen Praxis gehörte, kann ich heute nicht einfach so für bahre Münze nehmen. Wähle ich, auf der Suche nach Informationen, die Unterhaltungsliteratur, kommt noch der künstlerische Freiraum oben drauf. Nicht jeder Autor recherchiert akribisch. Ja, selbst bei Ken Follett oder Sebastian Fitzek lassen sich Fehler nachweisen.
Richtig gefiltert und im Zweifelsfall noch einmal woanders überprüft, bringen mir aber auch Romane wertvolle Details. Außerdem bin ich ein Typ, der so den besseren Zugang findet. Anstatt mich unmittelbar mit Sachbüchern auseinanderzusetzen, fange ich gern zuerst die Stimmung ein, die zu einer Zeit, an einem Ort oder in Bezug auf ein bestimmtes Thema herrschte.
Ich begebe mich auf Entdeckungsreise und meine Neugier wird weiter entfacht. »Der Name der Rose« empfiehlt sich darüber hinaus, um beispielhaft zu analysieren, worum es bei Romanen ganz besonders geht:

  • Figuren
  • und Handlung

Ich werde mich also mit William von Baskerville beschäftigen, der mich immer schon beeindruckt hat. Und ich werde mir die Heldenreise anschauen, die er und sein Gehilfe Adson durchlaufen.

Über das Gefühl, Schriftsteller zu werden

Oft ist ein Autor nur ein Name. Und sein Buch eine Geschichte, die uns erzählt wird, sodass wir darüber nachdenken können; uns mit ihr beschäftigen, sie aber irgendwann auch wieder aus dem Sinn verlieren. Denn es kommen andere, vielleicht bessere nach.
So in der Art erging es mir lange Zeit bei Joy Fielding. Bis ich ein Interview von ihr gehört habe, das mich schwer beeindruckt und bei mir ein warmes Gefühl im Bauch hinterlässt. Gehört habe ich das Interview im Bookerfly Umsetzungskongress von Janet Zentel. Mich fasziniert, wie bodenständig Joy Fielding geblieben ist und dass sie mit so großer Gelassenheit an die Dinge herangeht. Man spürt die Freude, die sie beim Schreiben hat, doch keinerlei Stress oder Druck; obwohl die die Verantwortung auf ihr lasten müsste, weil sie bald ihr nächstes Manuskript abgeben soll.
Joy Fielding glaubt einfach daran, dass sie es schaffen wird, weil es ihr schon 30 Mal gelungen ist. Und beim 31. Roman bestätigt sich das, ganz bestimmt.

Ich habe Tränen in den Augen, während ich dem Interview lausche. Von Joys Einstellung fühle ich mich tief bewegt, weil ich selber häufig sehr verkrampfe und mich in Aufgaben verbeiße, die doch völlig nebensächlich sind. Manchmal wird mir das auch bewusst. Aber ich schaffe es trotzdem nicht, sie loszulassen. Es kostet mich Zeit, viel Kraft … Und wozu das Ganze?

Auf jeden Fall habe ich mir, direkt nach dem Interview, eines der Bücher von Joy Fielding heruntergeladen: Das Herz des Bösen. Und wieder fühle ich mich angestachelt, denn ihr Schreibstil spricht von höchster Präzision. Die einzelnen Wörter und Formulierungen sind genau richtig. Immer zu finden, wo sie der Leser braucht. Joy Fielding zeichnet sich wirklich aus als Meisterin des Fachs. Und ich muss ehrlich sagen, mir begegnen nur wenige Bücher, die in dieser Hinsicht restlos überzeugen. Liebes Kind gehört dazu, von Romy Hausmann. Auch hier ist nichts zu wenig, nichts zu viel. Aber sonst …
Okay, da wähle ich Thriller, keine historischen Romane. Doch am Ende, finde ich, kann jeder Autor von allen anderen lernen. Was macht Joy Fielding oder Romy Hausmann richtig gut? Warum gefällt mir das so sehr? Und was könnte ich besser machen?

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